Thomas Scholz, Tim Tugendhat, Evi Pfefferle, Sebastian Cuny, Sandra Gritsch, Rüdiger Kanzler v.l.n.r.
Thomas Scholz, Tim Tugendhat, Evi Pfefferle, Sebastian Cuny, Sandra Gritsch, Rüdiger Kanzler v.l.n.r.
Am Aschermittwoch lädt die SPD Hirschberg zum traditionellen Heringsessen in den Anbau der Alten Turnhalle ein – das ist mittlerweile selbst schon eine Tradition geworden. So war es auch dieses Jahr, die Gäste nahmen die Einladung gerne an und erschienen zahlreich. Das brachte vor allen Dingen die Köchin Evi Pfefferle ins Schwitzen, war sie doch für insgesamt 45 Portionen Hering in Sahnesoße und Kartoffeln verantwortlich. Da käme es in ihrer Küche doch zu dem ein oder anderen Kapazitätsproblem, wie Pfefferle schmunzelnd bekundete. Aber auch dieses Jahr wurden alle Herausforderungen gemeistert und das Heringsessen konnte pünktlich nach einem Grußwort von den Vorsitzenden Rüdiger Kanzler und Sandra Gritsch beginnen. Gritsch ging auf den Anschlag in Mannheim ein und bekundete, dass es wichtig sei, „dem Irrsinn nicht zu viel Raum zu geben“. Wir sollten uns als Gesellschaft nicht einschüchtern lassen, sondern weiter auch Geselligkeit leben soll; völlig egal, aus welcher Richtung die Attacken kämen. Deswegen sei es umso wichtiger, dass Veranstaltungen wie das Heringsessen stattfänden.
Innerhalb kürzester Zeit waren Evi Pfefferles Schüsseln leer, und so begann dann auch der politische Teil. Rüdiger Kanzler ordnete die Ergebnisse der Bundestagswahl ein, die für die SPD nicht sehr erfreulich waren; gleichzeitig aber auch einen Weckruf darstellten, unsere Botschaften künftig besser zu vermitteln. Denn es sei geradezu grotesk, dass eine Partei von Rechtsaußen die Stimmen der Arbeiter und Angestellten abgreife, ohne ein passendes Angebot für genau dieses Klientel zu haben.
Sebastian Cuny führte in seiner Rede aus, dass im Wahlkampf viel Vertrauen verloren gegangen sei durch scharfe Rhetorik von der Merz-CDU, das nun wieder aufgebaut werden müsse. Gleichzeitig bescheinigte er der CDU eine steile Lernkurve auf Bundesebene. Auf Landesebene fällt diese Bilanz deutlich gemischter aus. Cuny konstatierte, dass die amtierende Landesregierung am Ende sei und nichts mehr gestalten könne. Beispielhaft nannte er die verkorkste Kommunikation rund um die Bildungspolitik der Landesregierung, die letztes Jahr aufgrund mangelnder Ausstattung ihrer Fördertöpfe die Zuwendungen für die Kommunen im Bereich Ganztagsausbau an Schulen verlosen wollte. Erst nach einem lauten öffentlichen Aufschrei wurde dann plötzlich doch noch Geld gefunden. Solche Wendungen hinterlassen SPD-Politiker wie Cuny kopfschüttelnd, wenn man bedenkt, dass die Risikorücklage des Landes Baden-Württemberg von derzeit 6 Mrd auf bis zu 9 Mrd bis Ende 2026 anwachsen könnte.
Tim Tugendhat hingegen blickte eher auf die Bundespolitik und formulierte in Richtung der CDU, er hoffe, die SPD könne ihr Verantwortung beibringen. Tönte es im Wahlkampf doch noch sehr lautstark, zusätzliche Mittel für Infrastruktur, Militär und Transformation könnten aus dem laufenden Haushalt herausgespart werden so folgte ab Tag 1 nach der Wahl die spektakuläre Kehrtwende und die ersten Verlautbarungen aus den Sondierungsgesprächen, plötzlich 500 Mrd. für Investitionen bereitstellen zu wollen. Eine Position, die die SPD schon lange vertritt und auch Tim Tugendhat sah sich als Kassandra bestätigt, der selbst schon lange 500 Mrd Euro Investitionen gefordert hatte.
Gleichzeitig schrieb er der SPD ins Stammbuch, dass die Partei ihr Profil schärfen und die Botschaften und Ideen stärker nach außen hin vertreten müsse. Außerdem stellte er in Aussicht, in vier Jahren erneut für den Bundestag zu kandidieren und dann das Direktmandat auch zu erringen.
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