Baugebiet "Rennäcker" -Konstruktive Diskussion ist möglich– SPD setzt ein Zeichen für wertschätzenden Diskurs

Veröffentlicht am 09.11.2025 in Aktuelles

Wohnen ist ein Menschenrecht - Podium mit Sandra Gritsch, Sebastian Cuny und Lothar Binding

Die Zeiten sind momentan nicht einfach für die Hirschbergerinnen und Hirschberger. Das geplante Neubaugebiet "Rennäcker" sorgt innerhalb der Bürgerschaft für teils hitzige Diskussionen, die nicht immer ganz friedlich verlaufen.

So war eine erheblich emotionalisierte Debatte beim Vortrag des ehemaligen Bürgermeisters von Illingen (Saar), Herrn Dr. König, zu beobachten, der vor einigen Tagen in Hirschberg Station machte um gegen ein Neubaugebiet in den Rennäckern zu argumentieren. Ganz anders bei der SPD, die am Donnerstag Abend zu ihrer Veranstaltung „Wohnen ist ein Menschenrecht“ in die Schillerschule geladen hatte. Die Moderatorin, Sandra Gritsch, die gleichzeitig Co-Vorsitzende der SPD in Hirschberg ist, legte zu Beginn das Ziel des Abends dar, nämlich die Suche nach einer Antwort auf die Frage, wie wir den Menschen nicht aus den Augen verlieren. Denn gerade in der Debatte rund um die Rennäcker wird viel mit Zahlen und Parametern gearbeitet, die aber allesamt den Fokus eher vom Faktor Mensch wegverlagern.

Die eingeladenen Diskutanten, Lothar Binding aus Heidelberg und Sebastian Cuny aus Schriesheim nahmen diesen Auftrag dankbar an und berichteten über einen insgesamt schwierigen Wohnungsmarkt im gesamten Rhein-Neckar-Kreis. Binding, als ehemaliger Bundestagsabgeordneter, der seit vielen Jahren den Vorsitz des Mietervereins Heidelberg innehat, konnte von einer sich ständig zuspitzenden Situation auf dem Wohnungsmarkt berichten. Einerseits wohnten die Menschen heute auf mehr Fläche als früher, gleichzeitig würden wir als gesamte Gesellschaft älter und lebten häufiger allein, führte Binding aus. Für die gleiche Anzahl Menschen würde also deutlich mehr Wohnraum gebraucht, resümierte er, gebaut werde aber zu wenig. Nun könne man aus ökologischen Gründen immer gegen ein Baugebiet sein, aber Wohnen sei eben nun einmal ein grundlegendes Gut, das nicht auf später verschoben oder „gespart“ werden könne. Genau deshalb sei es falsch, die Entscheidungen über ein solches Menschenrecht nur allein dem Markt zu überlassen. Diese Ausführungen riefen Daniel Campagnolo auf den Plan, der als Vertrauensmann der BI fungiert.

Die BI sehe eine erhebliche Diskrepanz im Sagen und Handeln der Kommune. Auf der einen Seite würde nach mehr Wohnraum gerufen. Andererseits gäbe es jede Menge Leerstand im Ort und unbebaute Grundstücke, wandte er ein. Dass im neuen Wohngebiet keine verbindliche Quote für sozial gebundenen und preisgedämpften Wohnraum vorgesehen ist, wertete Campagnolo als Einladung dazu, diesen Aspekt bei der Errichtung eines Gebiets sehr schnell wieder zu vergessen. Denn am Ende des Tages wollten alle nur Geld verdienen und die Menschen, um die es doch eigentlich gehe, blieben auf der Strecke, fürchtete er.

Genau deshalb sei es problematisch, das Vorhaben mit einem Bürgerbegehren an dieser Stelle zu stoppen, entgegnete Cuny. Der Landtagsabgeordnete und Statdtrat aus Schriesheim berichtete von verzweifelte Menschen, die keinen Wohnraum fänden und bei ihm vorstellig würden um ihre Nöte zu schildern. Wenn Sie dagegen sind, sagte er in Richtung Campagnolos, dann haben Sie gar nichts. Weder sozial gebundenen noch sonst irgendwelchen Wohnraum. Deshalb sei es doch vernünftiger, sich konstruktiv am Prozess zu beteiligen und mit unterschiedlichen Mitteln und Methoden dafür zu sorgen, dass die Preise nicht explodierten.

Es entspann sich eine angeregte Diskussion, wie denn ein solches Ziel erreicht werden könne. Selbst Patrick Klein, der ebenfalls anwesende Vorsitzende der FDP Hirschberg, merkte an, dass es durchaus Möglichkeiten gäbe, rechtliche Konstrukte zu finden, die beispielsweise die Errichtung eines Mehrgenerationenhauses möglich mache.

Nach zwei Stunden waren viel Argumente ausgetauscht und Sandra Gritsch beendete die Diskussionsrunde. Ein gelungener Abend, der zwar die gegensätzlichen Positionen deutlich hervortreten ließ aber gleichzeitig Raum gab für einen konstruktiven Austausch über den bestmöglichen Weg, das gemeinsame Ziel zu erreichen. Das Ziel nämlich, dass auch in Hirschberg wieder gilt: Wohnen ist ein Menschenrecht.

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